Astrodicticum Simplex

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Astrodicticum Simplex is a german language scientific blog which covers mainly astronomy but also other sciences.

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  • December 28, 2011
  • 04:36 AM
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Kein erhöhtes Risiko: Schwere Erdbeben werden nicht immer häufiger

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Sie gehört zum Standardrepertoire von Weltuntergangspropheten, Verschwörungstheoretikern und anderen Wichtigtuern: Die Behauptung, es würde in letzter Zeit immer mehr schwere Erdbeben geben. Das sei nicht normal, sondern ein Anzeichen für die kommenden große Katastrophe. Ich habe schon anlässlich des großen Bebens in Fukushima darüber nachgedacht, ob es tatsächlich immer mehr Erdbeben gibt und nun haben der Geowissenschaftler Peter Shearer und der Statistiker Philip Stark die Frage im Detail untersucht. Ihre Schlussfolgerungen kann man schon dem Titel ihrer kürzlich veröffentlichten Arbeit entnehmen: "Global risk of big earthquakes has not recently increased".... Read more »

Shearer, P., & Stark, P. (2011) Global risk of big earthquakes has not recently increased. Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: 10.1073/pnas.1118525109  

  • December 24, 2011
  • 10:10 AM
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Die Wissenschaft der Weihnachtskarten

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Ich habe mir kürzlich ein Set von UNICEF-Weihnachtskarten gekauft. Darunter auch diese beiden netten Motive. Fällt euch etwas auf?
Wir sehen typisch weihnachtliche Szenen, Kinder, den Weihnachtsmann, eine Winternacht voll Schnee, Weihnachtsbäume, Rentiere - und den Mond. Einmal den zunehmenden Mond, einmal den abnehmenden Mond. Na und?, mag mancher jetzt vielleicht fragen. Der Mond nimmt eben manchmal zu und manchmal nimmt er ab. Was soll daran seltsam sein? Abwarten!... Read more »

Peter Barthel. (2011) Santa and the moon. Communicating Astronomy to the Public Journal. arXiv: 1111.5489v3

  • December 14, 2011
  • 05:10 AM
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Hat eine große Kollision Merkurs seltsame Rotation verursacht?

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Merkur, der kleinste und sonnennächste Planet, ist seltsam. Lange konnten die Wissenschaftler seine Bewegung nicht exakt erklären, das gelang erst, als Albert Einstein 1915 die Newtonsche Theorie der Gravitation mit seiner Allgemeinen Relativitätstheorie ersetzte. Aber auch Merkurs Rotation um seine eigene Achse ist außergewöhnlich. Er befindet sich in einer sogenannten 3:2 Spin-Orbit-Resonanz. Genau in der Zeit, in der er sich zweimal um die Sonne bewegt, dreht er sich auch dreimal um seine eigene Achse. So eine gebundene Rotation findet man auch anderswo, zum Beispiel bei unserem Mond. Er dreht sich genau einmal um seine Achse während er sich einmal um die Erde bewegt, es handelt sich also um eine 1:1 Spin-Orbit-Resonanz. Beim Mond kennen wir die Ursache für dieses Verhalten. Die gebundene Rotation entstand durch die Gezeitenkräfte. Aber wie ist der Merkur zu seiner besonderen Art der Rotation gekommen? Astronomen aus Frankreich haben nun eine Möglichkeit vorgeschlagen: Vielleicht war eine Kollision mit einem großen Asteroiden dafür verantwortlich.... Read more »

  • December 12, 2011
  • 04:44 AM
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Vampirsterne: Bis(s) zur Roche-Grenze

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Ok, ich gebs zu, der Titel dieses Artikels ist bescheuert. Aber ich finde auch diesen ganzen Twilight-induzierten Vampirwahnsinn in den Buchläden bescheuert, also passt das ja. Und anscheinend kann sich die Astronomie dem Vampirhype ebenfalls nicht entziehen. Denn seit einiger Zeit gibt es hier den Begriff "Vampirstern". Allerdings (noch?) nicht wirklich als echten Fachbegriff. Interessanterweise stammt die älteste Verwendung des Begriffs "Vampirstern" den ich finden konnte, aus dem Dezember 2005. Der erste Band der "Twilight"-Serie (unter dem absurden deutschen Titel "Bis(s) zum Morgengrauen") erschien im Oktober 2005. Vielleicht wurde die Verwendung des Wortes "Vampirstern" ja tatsächlich durch die populären Vampirbücher beeinflusst? Wie auch immer - das, um was es hier wirklich geht, sind keine Teenager-Vampire, sondern "interacting binaries". Das sind Doppelsterne, die miteinander in Kontakt stehen. Dabei kann es auch vorkommen, dass ein Stern Material vom anderen Stern absaugt. Ein Vampirstern eben...... Read more »

N. Blind, H. M. J. Boffin, J. -P. Berger, J. -B. Le Bouquin, A. Mérand, B. Lazareff, & G. Zins. (2011) An incisive look at the symbiotic star SS Leporis -- Milli-arcsecond imaging with PIONIER/VLTI. 2011, A. arXiv: 1112.1514v1

  • December 8, 2011
  • 11:00 AM
  • 299 views

Venus, der erdähnliche Exoplanet

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Mit der Entdeckung des eventuell erdähnlichen Planeten Kepler 22b haben die extrasolaren Planeten wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ich habe gestern schon etwas über die Häufigkeit erdähnlicher Planeten geschrieben. Aber die Frage die sich hier immer stellt ist: Wie ähnlich sind solche Planeten der Erde tatsächlich? Kann es dort Leben geben? Das findet man nur heraus, wenn man sich die Atmosphäre so eines Planeten näher ansieht. Das ist zwar knifflig, aber nicht unmöglich. Nächstes Jahr bietet sich uns eine wunderbare Gelegenheit, die Methode zu üben. An einem Objekt aus unserer unmittelbarer Nachbarschaft: Venus.... Read more »

David Ehrenreich, Alfred Vidal-Madjar, Thomas Widemann, Guillaume Gronoff, Paolo Tanga, Mathieu Barthélemy, Jean Lilensten, Alain Lecavelier des Etangs, & Luc Arnold. (2011) Transmission spectrum of Venus as a transiting exoplanet. Astronomy . arXiv: 1112.0572v1

  • December 7, 2011
  • 06:17 AM
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Über die Häufigkeit erdähnlicher Exoplaneten

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Die Entdeckung des eventuell erdähnlichen Planeten Kepler 22b hat in den letzten Tagen für einige Aufregung gesorgt. Für einige Leute sogar zu viel Aufregung, sie sind der Meinung, dass Kepler 22b nicht sooo besonders ist, wie getan wird (ein Thema, das auch auf meiner Facebook-Seite diskutiert wird). Es stimmt: Kepler 22b ist nicht der erste kleine Planet, den man gefunden hat. Er ist auch nicht der erste Planet in der habitablen Zone seines Sterns. Er ist auch nicht der erste Planet, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist. Aber er ist ein Planet, der klein und potentiell erdähnlich und in der habitablen Zone ist und einen sonnenähnlichen Stern umkreist. Das Kepler-Team hätte deutlicher darauf hinweisen müssen, dass man noch keine genaue Masse des Planeten kennt. Er ist mit ziemlicher Sicherheit keine "zweite Erde" - aber ein deutlicher Hinweis, dass man auf dem richtigen Weg ist und dass die Technik nun so weit ist, wirklich erdähnliche Exoplaneten zu finden. Klar, die Kepler-Mission muss gerade darum kämpfen, ihr Projekt auch für die Zukunft weiter finanziert zu bekommen. Und da will man aus so einer Entdeckung natürlich PR-mäßig alles rausholen, was nur geht. Man kann der NASA sicherlich vorwerfen, es mit der PR manchmal zu übertreiben. Aber immerhin macht sie Öffentlichkeitsarbeit. Das ist etwas, das man in Europa noch nicht so richtig gelernt hat. Das Weltraumteleskop CoRoT, das so wie Kepler auf Exoplanetensuchen ist und ebenfalls schon einige schöne Entdeckungen gemacht hat (die zum Beispiel, könnte sicherlich auch schon hunderte Planetenkandidaten präsentieren. Aber das tut man dort nicht, man geht nur mit den wenigen bestätigten Fällen an die Öffentlichkeit. Und so wie auch bei den bodengebundenen Observatorien die auf Planetensuche gehen, fehlt hier ein in sich stimmiges PR-Konzept (CoRoT hat nichtmal eine vernünftige Homepage). Auch wenn es den beteiligten Wissenschaftlern manchmal missfällt sind es deswegen eben meist die NASA- bzw. amerikanischen Entdeckungen, die die meisten Aufmerksamkeit der Medien bekommen. Das heißt nicht, dass in Europa keine spannende Wissenschaft gemacht wird. Sie findet eben nur in den Fachzeitschriften statt und da die von den Journalisten selten gelesen werden, schaffen sie es seltener in die normalen Medien. Eine dieser Arbeiten trägt den Titel "The HARPS search for Earth-like planets in the habitable zone. I. Very low-mass planets around HD 20794, HD 85512, and HD 192310".... Read more »

Pepe, F., Lovis, C., Ségransan, D., Benz, W., Bouchy, F., Dumusque, X., Mayor, M., Queloz, D., Santos, N., & Udry, S. (2011) The HARPS search for Earth-like planets in the habitable zone. Astronomy . DOI: 10.1051/0004-6361/201117055  

  • December 2, 2011
  • 05:13 AM
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Der Weihnachtsgammablitz von 2010: Zwei fantastische Erklärungen

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Manchmal hat auch das Universum gutes Timing. Am ersten Weihnachtsfeiertag im Jahr 2010 beobachtete das Weltraumteleskop SWIFT wie ein Stern plötzlich enorm hell aufleuchtete. Nein, es war nicht der Stern von Bethlehem und das "Leuchten" war uns Menschen auch nicht sichtbar. Es handelte sich um einen sogenannten "Gammablitz" ("Gamma-Ray-Burst (GRB)"). Über diese dramatischen Ereignisse habe ich hier und hier schon ausführlich geschrieben. Man hat diese Ereignisse in den 1970er Jahren entdeckt. Eigentlich hatte man vor, nach den charakteristischen Gammastrahlenausbrüchen zu suchen, die Atomwaffentests verursachen. Das man dabei gewaltige Explosionen in fernen Galaxien entdeckt, hat alle überrascht. Heute weiß man, dass sehr große Sterne ihr Leben in einer gewaltigen Explosion - einer Hypernova - beenden und dabei kurzfristig gewaltige Mengen an Strahlung ins All senden. Eine zweite Art von Gammablitz entsteht, wenn zwei Neutronensterne miteinander kollidieren. Der Gammablitz am Weihnachtstag 2010 (GRB 101225A) stellte die Astronomen aber vor ein Rätsel. Mit den bekannten Modellen ließ er sich nicht erklären. ... Read more »

Thöne, C., de Ugarte Postigo, A., Fryer, C., Page, K., Gorosabel, J., Aloy, M., Perley, D., Kouveliotou, C., Janka, H., Mimica, P.... (2011) The unusual γ-ray burst GRB 101225A from a helium star/neutron star merger at redshift 0.33. Nature, 480(7375), 72-74. DOI: 10.1038/nature10611  

Campana, S., Lodato, G., D’Avanzo, P., Panagia, N., Rossi, E., Valle, M., Tagliaferri, G., Antonelli, L., Covino, S., Ghirlanda, G.... (2011) The unusual gamma-ray burst GRB 101225A explained as a minor body falling onto a neutron star. Nature, 480(7375), 69-71. DOI: 10.1038/nature10592  

  • November 29, 2011
  • 04:09 AM
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Haben extrasolare Planeten Monde oder Ringe?

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Haben extrasolare Planeten Monde oder Ringe? Keine Ahnung. Wenn wir unser Sonnensystem als Maßstab nehmen, dann kann es eigentlich kaum anders sein. Zumindest wenn es um die Gasriesen geht. Jeder Gasplanet, der unsere Sonne umkreist (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun) hat dutzende Monde und ein Ringsystem. Nicht immer sind die Monde so groß wie z.B. Ganymed oder Callisto des Jupiter. Und nicht immer sind die Ringe so dramatisch wie die des Saturn. Aber Monde und Ringe sind immer vorhanden. Wenn wir davon ausgehen, dass unser Sonnensystem nichts Besonderes ist, dann müssen auch die extrasolaren Planeten Ringe und Monde haben. Aber wir wissen es nicht, denn wir haben weder das eine noch das andere entdeckt. Könnten wir Monde oder Ringe überhaupt entdecken? Ja, können wir! ... Read more »

Luis Ricardo M. Tusnski, & Adriana Valio. (2011) Transit Model of Planets with Moon and Ring System. The Astrophysical Journal, 743:97, 2011 December 10. arXiv: 1111.5599v1

  • November 24, 2011
  • 05:13 AM
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'Astrologie: Wissen schützt nicht vor Aberglaube

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Auch wenn Astrologie Unsinn ist, gibt es viele Menschen, die daran glauben. Darunter sind auch viele Menschen, bei denen man das eigentlich nicht erwarten würde. Das Wissen nicht immer zwingend vor Aberglaube schützt, hat nun eine Studie der Universität Arizona erneut gezeigt. ... Read more »

Sugarman, H., Impey, C., Buxner, S., & Antonellis, J. (2011) Astrology Beliefs among Undergraduate Students. Astronomy Education Review, 10(1), 10101. DOI: 10.3847/AER2010040  

  • November 22, 2011
  • 09:42 AM
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Wenn die rote Sonne über dem Eisplaneten untergeht...

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Wenn die rote Sonne über dem Eisplaneten untergeht, dann sehen ihr dabei vielleicht ein paar Lebewesen zu. Nein, nicht wir Menschen. Auf der Erde ist es zwar manchmal etwas kalt, aber abgesehen von den Polen ist ihre Oberfläche nicht dauerhaft mit Schnee und Eis bedeckt. Und unsere Sonne ist ein gelber Stern und nur manchmal aufgrund atmosphärischer Effekte etwas rot. Es geht um außerirdisches Leben. Es geht um die Frage, wo man es theoretisch finden könnte. Wir sind ja bei der Suche nach extraterrestrischen Leben in einer schwierigen Situation. Wir kennen nur das Leben auf der Erde. Wir wissen nicht, ob es auch noch andere Formen von Leben geben kann, dass sich unter anderen Bedingungen entwickelt. Deswegen ist eine wissenschaftliche Suche danach momentan auch nicht zielführend. Wir wüssten ja nicht, was wir suchen sollen und wie wir es erkennen, sollten wir es gefunden haben. Wir müssen uns also auf erdähnliches Leben konzentrieren und suchen deshalb im All auch nach erdähnlichen Planeten. Im Idealfall umkreisen sie einen sonnenähnlichen Stern. Aber Sterne gibt es in vielen verschiedenen Arten. 80 Prozent aller Sterne sind sogenannte Rote Zwerge. Sie sind kleiner als die Sonne, kühler und leuchten daher rötlich anstatt gelblich-weiß. Auf Planeten, die sie umkreisen, ist Leben kaum möglich. Dachte man zumindest bis jetzt...... Read more »

  • November 20, 2011
  • 12:55 PM
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Als die Erde entstand...

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es noch keine Planeten. Keine Erde, keinen Mars, keinen Saturn, keinen Jupiter - vor 4,5 Milliarden Jahren gab es nichts. Nur eine junge Sonne und eine große Scheibe aus Gas und Staub, die sie umgab. Der Staub tat das, was Staub eben so tut: Er klumpte zu immer größeren Flusen und schließlich Brocken zusammen. Am Ende umkreisten unzählige größere und kleine Felsbrocken die Sonne. Man nennt sie Planetesimale und aus ihnen entstanden schließlich die Planeten. Die Planetesimale kollidierten miteinandern, bildeten immer größere Objekte, solange, bis schließlich nur noch ein paar große Planeten übrig waren (anfangs wahrscheinlich sogar mehr Planeten als heute noch übrig sind). Ein paar Bausteine allerdings wurden nicht benutzt. Man kann sie heute immer noch die Sonne umkreisen sehen. Einer davon wurde kürzlich mit einer Sonde besucht. Dabei fand man heraus, dass er genau aus dem Material besteht, aus dem damals die Erde entstand. ... Read more »

Pierre Vernazza, Philippe Lamy, et al. (2011) Asteroid (21) Lutetia as a remnant of Earth’s precursor planetesimals. Icarus, 650-659. info:/

  • November 11, 2011
  • 03:50 PM
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ORIGINAL Wasserstoff und Helium, direkt vom Erzeuger! Ganz frisch! NOCH UNBENUTZT!!

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Unsere Welt ist voll mit den unterschiedlichsten Sachen. Wir haben eine Atmosphäre aus Sauerstoff und Stickstoff. Wir leben auf einem Planeten aus Eisen und Silizium. Wir bestehen aus Kohlenstoff und jeder Menge anderer Elemente. Das ist eigentlich erstaunlich, denn ursprünglich standen nur drei Elemente auf dem Arbeitszettel des Universum: Ganz viel Wasserstoff, ein bisschen Helium und eine kleine Prise Lithium. Mehr gab es am Anfang nicht. Den ganzen Rest musste sich der Kosmos erst mühsam selbst zusammen bauen.... Read more »

Michele Fumagalli, John M. O'Meara, & J. Xavier Prochaska. (2011) Detection of Pristine Gas Two Billion Years after the Big Bang. Science. arXiv: 1111.2334v1

  • November 11, 2011
  • 10:30 AM
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Das Rätsel der Zwerggalaxien

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Von kleinen Dingen gibt es meistens mehr. Anstatt großer Scheine sammelt sich in den Geldbörsen das Kleingeld. Meine Wohnung ist ständig voll mit kleinen Staubkörnern (große Felsbrocken finde ich darin dafür relativ selten). Und das Universum ist voll mit Zwerggalaxien. Die sind viel kleiner als die "normalen" Galaxien wie unsere Milchstraße. Ihre Masse ist bis zu hundert Mal kleiner, ihre Größe misst sich in Zehntausenden von Lichtjahren anstatt Hunderttausenden und ihre Leuchtkraft ist natürlich auch viel geringer. Deswegen ist es schwer, sie zu entdecken. Am Hubble-Weltraumteleskop steckt man gerade mitten im drei Jahre dauernden Cosmic Assembly Near-infrared Deep Extragalactic Legacy Survey (CANDELS), einer Himmelsdurchmusterung mit dem Ziel möglichst weit entfernte und möglichst kleine Galaxien zu finden. Erste Ergebnisse wurden kürzlich präsentiert und sie sind überraschend. Die frühen Zwerggalaxien verhalten sich ganz anders, als man dachte. ... Read more »

A. van der Wel, A. N. Straughn, H. -W. Rix, S. L. Finkelstein, A. M. Koekemoer, B. J. Weiner, S. Wuyts, E. F. Bell, S. M. Faber, J. R. Trump.... (2011) Extreme Emission Line Galaxies in CANDELS: Broad-Band Selected, Star-Bursting Dwarf Galaxies at z1. ApJ. arXiv: 1107.5256v2

  • October 29, 2011
  • 04:45 AM
  • 491 views

Der gefangene Geist im schwarzen Universum

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Am Montag ist wieder Halloween und es wird Zeit für ein wenig gruslige Astronomie. Ich weiß, ich weiß - man darf Halloween nicht gut finden. Böses amerikanisches Kommerzfest dass die schönen alten europäischen Traditionen auslöscht und so. Aber natürlich sind das nur Vorurteile und falsche noch dazu. Halloween ist ein Fest mit einer langen Tradition und astronomischen Grundlagen. Also erlaube ich es mir einfach, dieses Fest gut zu finden und empfehle diesen "Leitfaden für die Nacht der Kinder" zur Lektüre für alle Halloween-Hasser ;) Jetzt aber wieder zurück zur grusligen Astronomie. Es geht um Geister, Phantome und schwarze Universen.... Read more »

K. A. Bronnikov, & E. V. Donskoy. (2011) Black universes with trapped ghosts. Grav. Cosmol. 17 (2), 176-180 (2011). arXiv: 1110.6030v1

  • September 15, 2011
  • 08:01 PM
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Der Science-Fiction-Planet mit den zwei Sonnen

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Will man absolut klar stellen, dass ein Science-Fiction-Film nicht auf unserer Erde spielt sondern einem fremden Planeten, dann zeigt man einen dramatischen Himmel. Entweder man sieht dort anstatt des guten alten Mondes einen gewaltig großen Gasplaneten um deutlich zu machen, dass man selbst sich auf einem Mond befindet, der den Gasriesen umkreist. Oder man sieht zwei Sonnen am Himmel stehen, so wie auf Tatooine, der Heimat von Luke Skywalker in Star Wars. Extrasolare Monde haben wir bis jetzt noch nicht gefunden. Aber immerhin kennen wir seit kurzem einen Planeten, der zwei Sterne umkreist.... Read more »

Laurance R. Doyle,, & et al. (2011) Kepler-16: A Transiting Circumbinary Planet. Science, 333(6049), 1602-1606. info:/10.1126/science.1210923

  • September 2, 2011
  • 10:05 AM
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Den "Stern den es nicht geben dürfte" gibt es doch. Zum Glück!

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Ein "Stern den es nicht geben dürfte" sitzt da draußen im Universum! So eine Überschrift lässt sich natürlich keine Zeitung entgehen, dementsprechend weit verbreitet ist die Geschichte auch. Aber was hat der Stern den nun gemacht? Gegen welches Naturgesetz hat er verstoßen? Warum soll es ihn nicht geben dürfen?... Read more »

Caffau, E., Bonifacio, P., François, P., Sbordone, L., Monaco, L., Spite, M., Spite, F., Ludwig, H., Cayrel, R., Zaggia, S.... (2011) An extremely primitive star in the Galactic halo. Nature, 477(7362), 67-69. DOI: 10.1038/nature10377  

  • September 1, 2011
  • 09:01 AM
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Wie fängt man einen Asteroid? (und sollen wir das überhaupt versuchen?)

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

"Lasst es uns versuchen! Was kann schon schief gehen!" Berühmte letzte Worte... Normalerweise bin ich ja sehr dafür, auch mal ein paar utopische wissenschaftliche Projekte zu versuchen. Eine bemannte Basis auf dem Mond, einen Fahrstuhl in den Weltraum oder ein 100-Meter-Teleskop: Wir müssen uns auch mal was trauen, wenn es vorwärts gehen soll. Aber manchmal gibt es auch Ideen, bei denen ich nicht so wirklich überzeugt bin, ob man sie wirklich realisieren sollte. Zum Beispiel dass, was sich Hexi Baoyin und seine Kollegen von der Tsinghua Universität ausgedacht haben: Sie haben überlegt, wie man die Bahn eines Asteroiden verändern müsste, damit er zukünftig als zweiter Mond seine Runden um die Erde zieht. ... Read more »

Hexi Baoyin, Yang Chen, & Junfeng Li. (2011) Capturing Near Earth Objects. Research in Astronomy and Astrophysics (Chinese Journal of Astronomy and Astrophysics), Vol. 10, Num. 6, pp.587-598, 2010. arXiv: 1108.4767v1

  • August 27, 2011
  • 07:28 AM
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Die zweite Erde wurde entdeckt! Schon wieder?

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Mittlerweile ist die Suche nach extrasolaren Planeten ja auf einem guten Weg. Mehr als 500 Planeten kennen wir schon und einige tausend Kandidaten warten auf die Bestätigung ihres Planetenstatus. Die gefundenen Exoplaneten wurden immer kleiner, je besser unsere Instrumente und Methoden wurden und mittlerweile liegt es durchaus im Bereich des möglichen, einen Planeten zu finden, der unserer Erde ähnelt und so wie sie auch prinzipiell Leben beherbergen könnte. Trotzdem sollte man skeptisch sein, wenn in den Medien die Entdeckung einer "zweiten Erde" verkündet wird. Das ist ja in der Vergangenheit schon oft genug passiert. Wenn es um extrasolare Planeten geht, dann scheint die Öffentlichkeit nur eines zu interessieren: Gibt es dort Leben? Zumindest ist das der Blickwinkel, unter dem viele Entdeckungen in den Medien präsentiert werden. Und klar, es ist ja auch interessant und enorm spannend, andere bewohnbare Planeten zu suchen. Aber man darf sich nicht hinreißen lassen.

Die Suche nach bewohnbaren extrasolaren Planeten scheint in etwa in der Situation zu sein, in der sich allgemein die Suche nach Exoplaneten in den 1980er und 1990er Jahren befand. Andauernd verkündeten Wissenschaftler, sie hätten endlich den ersten Exoplaneten gefunden, nur um kurz danach feststellen zu müssen, dass ihre Daten doch nicht so gut waren wie gedacht und der Planet nicht vorhanden war (Die spannende Geschichte der Exoplanetensuche ist übrigens in "Die Jagd nach neuen Planeten" von Ken Croswell sehr lesenswert beschrieben). So ähnlich läuft es momentan auch mit den habitablen Planeten. Der Fund einer "zweiten Erde" ist schnell verkündet, auch wenn man meistens nicht wirklich genug Informationen hat, um wirklich herauszufinden, ob der Planet habitabel ist oder nicht (und manchmal scheint sogar der Planet selbst nicht existiert zu haben).

Jetzt haben Wissenschaftler um Francesco Pepe vom Observatorium in Genf wieder eine "zweite Erde" entdeckt. Es handelt sich um den Planeten HD 85512b. Er wurde bei einer Suche die sich speziell auf leichte Planeten konzentriert, gefunden. Dabei hat man die sogenannte "Radialgeschwindigkeitsmethode" benutzt. Das bedeutet, dass man probiert, das charakteristische Wackeln eines Sterns zu messen, das durch die Anwesenheit eines Planeten verursacht wird. Dabei bewegt sich der Stern mal ein kleines Stück auf uns zu und mal ein kleines Stück von uns weg. Das macht er periodisch und mit etwas Glück kann man es messen. Daraus lassen sich dann die Eigenschaften des Planeten ableiten. Bei HD 85512b weiß man nun, dass er sich 0.26 astronomische Einheiten von seinem Stern entfernt befindet. Das ist wenig, der sonnennächste Planet - Merkur - ist 0.39 astronomische Einheiten von der Sonne entfernt (und die Erde eine astronomische Einheit). Der Exoplanet ist aber viel schwerer als Merkur! Seine Masse beträgt das 3.6fache der Erdmasse. Klingt also alles erstmal wenig heimatlich. So nahe am Stern muss es doch verdammt heiß sein, oder? Das hängt vom Stern ab. Bei unserer Sonne wäre das so, aber HD 85512 (der Stern den der Exoplanet umkreist) ist kleiner und kühler als die Sonne (er hat den Spektraltyp K) und deswegen muss auch etwas näher ran rücken, wenn man es schon angenehm warm haben will. Vom Abstand her würde es also passen mit der Temperatur.

Paradiesische Zustände.... (Bild: Park Seed Company, PD)

Aber der passende Abstand allein reicht noch nicht. Die Venus liegt zum Beispiel auch in der habitablen Zone der Sonne, also dort, wo die Temperaturen prinzipiell passen würden. Trotzdem ist es auf unserem Nachbarplanet bis zu 500 Grad heiß und alles andere als gemütlich! Es kommt eben auch auf die Eigenschaften der Atmosphäre an, darauf ob der Planet ein Magnetfeld an, die geologische Aktivität (sofern vorhanden), die Schwankungen der Planetenachse, usw. Ob ein Planet an seiner Oberfläche tatsächlich die passenden Temperaturen aufweist, hängt von vielen Faktoren ab und mit Teleskopen von der Erde lassen sich die meisten davon heute kaum bestimmen. Lisa Kaltenegger vom Max-Planck-Institut in Heidelberg und ihre Kollegen haben trotzdem probiert, die Atmosphäre von HD 85512b zu untersuchen. Nur in Computermodellen natürlich, der Planet wurde ja nur indirekt beobachtet und es gibt noch keine Möglichkeit, das vom Planeten reflektierte Licht direkt zu analysieren und so die Eigenschaften der Atmosphäre zu bestimmen. Mit den Modellen jedenfalls kommen Kaltenegger & Co zu dem Schluß, dass die Temperaturen auf HD 85521b lebensfreundlich sein können, wenn die Atmosphäre mehr als zur Hälfte mit Wolken bedeckt ist. Ob das nun auch so ist... wer weiß?

Ich jedenfalls bin erstmal skeptisch. Vor allem wegen eines Satzes, der in der Einleitung des Artikels von Kaltenegger zu finden ist:

"Here we assume that the planet's actual mass is close to its minimum mass."

Bei ihren Untersuchungen zur Habitabilität von HD 85521b haben Kaltenegger und ihre Kollegen also angenommen, dass die Masse des Planeten tatsächlich das 3.6fache der Erdmasse beträgt. Aber das muss nicht so sein. Denn wenn Planeten mit der Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt werden, dann kennt man ihre Masse nicht exakt. Man kennt nur die minimale Masse, weiß aber nicht, ob die vielleicht nicht auch deutlich größer sein könnte. Wie groß die Masse wirklich ist, hängt vom Blickwinkel ab unter dem wir von der Erde aus auf das System schauen (je nachdem sehen wir das Wackeln des Sterns mehr oder weniger stärker) und den kennt man im Allgemeinen nicht. Die Masse von HD 85521b kann also auch größer sein und das hätte natürlich Auswirkungen auf die Atmosphäre (je schwerer ein Himmelskörper ist, desto dichter ist die Atmosphäre, die er festhalten kann). Außerdem liegt der Exoplanet mit einem Abstand von 0.26 AE am innersten Rand der habitablen Zone und seine Bahn ist nicht wirklich kreisförmig sondern leicht oval (seine Exzentrizität beträgt 0.11). Und wer weiß, ob die Computermodell für die Exoplanetenatmosphären hier wirklich anwendbar sind? Alles in allem ist es also ein ziemlicher Grenzfall. Wenn alles gerade super passt, dann könnten dort die Temperaturen wirklich angenehm sein. Aber momentan weiß man einfach noch zu wenig.

... oder leblose Gluthölle? Bild: Herve Suadeau, CC-BY-SA 3.0

Es gibt aber keinen Grund, enttäuscht zu sein. Die Entdeckung von Pepe und seinen Kollegen zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind! Es wird für uns immer einfacher, kleine, erdähnliche Planeten zu finden. Irgendwann wird dann tatsächlich einer dabei sein, der eindeutig leicht genug ist und eindeutig mitten in der habitablen Zone liegt. Irgendwann werden wir dann auch direkt sein Licht analysieren können und feststellen, woraus seine Atmosphäre besteht. Un dieses "Irgendwann" wird nicht mehr allzu weit entfernt sein - ich bin optimistisch!

... Read more »

F. Pepe, C. Lovis, D. Ségransan, W. Benz, F. Bouchy, X. Dumusque, M. Mayor, D. Queloz, N. C. Santos, & S. Udry. (2011) The HARPS search for Earth-like planets in the habitable zone: I -- Very low-mass planets around HD20794, HD85512 and HD192310. Astronomy . info:/arXiv:1108.3447

  • August 16, 2011
  • 05:15 AM
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Der dunkelste Planet und seine Phasen

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

Über die Entdeckung, dass der extrasolare Planet TrES-2b so dunkel ist wie kein anderer bisher bekannter Planet; so dunkel wie schwarze Acrylfarbe oder Kohle, hört man in den letzten Tagen ja viel in den Medien. Nicht so oft kann man allerdings lesen, wie man überhaupt herausfinden kann, wie hell oder dunkel ein hunderte Lichtjahre weit entfernter Planet ist. Es lohnt sich aber, die Geschichte ein bisschen näher zu betrachten.Das Objekt um das es geht, ist TrES-2b. Er umkreist den sonnenähnlichen Stern TrES-2 der sich etwa 750 Lichtjahre von uns entfernt befindet. Der Planet selbst ist ein bisschen schwerer und größer als Jupiter und befindet sich enorm nahe an seinem Stern. Nur knapp 5 Millionen Kilometer trennen ihn und den Stern. Zum Vergleich: Die Erde ist 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt; der sonnennächste Planet Merkur immerhin noch 58 Millionen Kilometer. Entsprechend schnell rast TrES-2b auch um seinen Stern. Ein Jahr dort dauert gerade mal 2 Tage 11 Stunden und 17 Minuten. Besonders praktisch ist außerdem die Tatsache, dass TrES-2b und sein Stern von uns aus gesehen genau auf einer Linie liegen. Das bedeutet, dass der Planet alle 2 Tage 11 Stunden und 17 Minuten vor dem Stern vorüber zieht und dabei einen winzigen Teil seines Lichts blockiert.

Helligkeitsänderung des Sterns HD 209458 (Simulation), Bild: Bild: TEP-Netword, Deeg & Carrido

Dadurch konnte TrES-2b im Jahr 2006 auch überhaupt entdeckt werden. Im Rahmen des Trans-Atlantic Exoplanet Survey - oder TrES - haben Wissenschaftler mit kleinen Teleskopen die am Lowell-Observatorium in Arizona, dem Palomar-Observatorium in San Diego und dem Observatorium auf den Kanarischen Inseln die Helligkeit vieler Sterne gemessen und probiert dabei welche zu finden, die in periodischen Abständen ein klein wenig dunkler werden. Beim Stern mit der Katalognummer GSC 03549-02811 A (im Sternbild Drache) wurden sie fündig. Aus den Verdunkelungen des Sterns konnten sie schließen, dass er von einem Planeten umkreist wird. Das ist schon ganz für sich allein eine tolle Entdeckung - man kann nie genug Exoplaneten kennen! Der TrES-2b genannte Planet war aber auch noch in anderer Hinsicht besonders: Er war der erste extrasolare Planet, der in dem Bereich des Himmels gefunden wurde, den drei Jahre später das Weltraumteleskop Kepler untersuchen sollte. Kepler macht im Prinzip genau das gleiche wie die Teleskope auf der Erde: Das Teleskop misst die Schwankungen in der Helligkeit der Sterne und probiert so extrasolare Planeten zu finden. Dank seiner Position im Weltall, weit weg von der störenden Erdatmosphäre, kann es das aber viel genauer tun.

So sieht Kepler den Stern TrES-2 (Bild: NASA/Ames/JPL-Caltech)

Und es kann sich durchaus lohnen, auch bei einem System bei dem man schon einen Planeten entdeckt hat, nochmal genau hinzuschauen. Wenn der Planet bei seinem Durchgang vor dem Stern ein bisschen unpünktlich ist, dann kann das ein Hinweis auf weitere unbekannte Planeten im System sein. Es gibt aber noch mehr, was man aus den Helligkeitsmessungen lernen kann. Das Diagramm, in dem die Astronomen aufzeichnen, wie sich die Helligkeit eines Sterns im Lauf der Zeit ändert, nennt man Lichtkurve. Diese Lichtkurve zeigt aber nicht einfach nur eine gerade Linie mit einer Senke dort, wo der Planet bei seinem Durchgang gerade ein wenig Licht abblockt. Die Realität ist wie üblich komplizierter. Beim Umlauf eines Planeten um einen Stern kann man - aus Sicht des Beobachters der Lichtkurven messen will - drei besondere Phasen unterscheiden. Einmal die, die wir schon kennen: Der Planet steht vor dem Stern und blockiert ein wenig Licht. Ein halbes Planetenjahr später wird der Planet dann genau hinter dem Stern stehen. Im Rest der Zeit befindet er sich entweder links oder rechts vom Stern. Unsere Teleskope werden in dieser Zeit das meiste Licht empfangen. Denn wir messen dann nicht nur das komplette Licht, dass der Stern in unsere Richtung ausstrahlt sondern bekommen auch noch einen kleinen Betrag zusätzlich, den der links oder rechts stehende Planet in unsere Richtung reflektiert. Wenn der Planet hinter dem Stern steht, wird uns minimal weniger Licht erreichen - jetzt fehlt das reflektierte Licht. Das große Minimum in der Lichtkurve kriegen wir dann, wenn der Planet vor dem Stern steht. All das sieht man natürlich nur dann in der Lichtkurve, wenn das Teleskop ausreichend genau messen kann. Die Unterschiede in der Helligkeit sind hier enorm gering und liegen im Promillebereich. Kepler allerdings ist gut genug, um so etwas sehen zu können.

Ein Planet reflektiert unterschiedlich viel Licht, je nach seiner Position (Bild: Tauʻolunga, CC-BY-SA 2.5)

David Kippling und David Spiegel von den Universitäten in Cambridge und Princeton haben sich daher die Helligkeitsdaten von TrES-2 aus dem frei zugänglichen Kepler-Archiven geholt und sie nach allen Regeln der Datenauswertungskunst noch einmal neu analysiert. Sie waren auf der Suche nach einem ganz besonderen Effekt: Den Phasen von TrES-2b. Phasen kennen wir ja vor allem vom Mond. Je nachdem wie er im Verhältnis zu Sonne und Erde steht, ist er mal komplett beleuchtet, mal weniger und mal gar nicht. Was die Helligkeit angeht, macht das einen großen Unterschied. In einer klaren Vollmondnacht kann man ohne weiteres ohne zusätzliche Lichtquelle draußen spazieren gehen; bei Neumond oder Viertelmond ist es dazu ein wenig zu dunkel. Genau so ist es bei TrES-2b. Wenn er nicht gerade direkt vor oder hinter dem Stern steht, dann zeigt auch er Phasen. Die Menge an Licht, die er in unsere Richtung reflektiert ändert sich, je nachdem ob gerade "Voll-TrES-2b" ist oder "Halb-TrES-2b". Dieser Effekt ist nun wirklich winzig und von der Erde aus nicht zu messen. Erst die Weltraumteleskope Kepler und das zwei Jahre zuvor gestartete CoRoT-Teleskop der europäischen Weltraumagentur machten es möglich. 2009 fand man erstmals beim Planet CoRoT-1b die Helligkeitsänderung die durch die Phasen des Planeten verursacht wurde. Sie betrug gerade Mal 126 ppm (part per million) bzw 0.0126 Prozent was aber für diesen Effekt immer noch vergleichsweise viel ist! Andere bis heute gemessen durch Phasen verursachte Helligkeitsänderungen machen zum Beispiel nur 0.004 Prozent aus (Kepler 7b). TrES-2b ist noch mal eine Stufe schwerer zu messen. Kippling und Spiegel fanden bei ihren Analysen eine Helligkeitsänderung von nur 6.5 ppm bzw. 0.00065 Prozent!

Durch die Phase von TrES-2b verursachte Helligkeitsänderung des Sterns (Bild: Kippling und Spiegel, 2011)

Warum nur so wenig? Es ist natürlich klar, dass nicht jeder Planet gleich viel Licht reflektiert. Ein komplett mit Eis bedeckter Himmelskörper wird mehr Licht reflektieren als einer, der unter einen dicken Staubschicht liegt. Man kann sich nun also überlegen, wieviel Licht ei... Read more »

David M. Kipping, & David S. Spiegel. (2011) Detection of visible light from the darkest world. MNRAS. arXiv: 1108.2297v1

  • August 4, 2011
  • 03:19 AM
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Nix mit Nemesis? Asteroideneinschläge sind nicht periodisch

by Florian Freistetter in Astrodicticum Simplex

So kanns gehen. Erst vor wenigen Wochen habe ich ausführlich über die Nemesis-Hypothese berichtet. Also darüber, dass die Sonne eventuell einen noch unentdeckten Begleitstern hat der sich ihr in regelmäßigen Abständen nähert und dabei etwa alle 26 Millionen Jahre die Bahnen der Kometen aus den äußersten Bereichen des Sonnensystems so verändert, dass sie auch der Erde nahe kommen bzw. mit ihr kollidieren können. Eine neue Untersuchung des Problems scheint nun aber zu zeigen, das gar kein Bedarf für Nemesis besteht.Die Sache mit dem unbekannten Begleitsstern hat man sich in den 1980ern natürlich nicht einfach so ausgedacht. Das die Sonne kein Einzelstern sondern Teil eines Doppelsternsystems sein soll, ist ja doch eine sehr starke Behauptung und dafür gab es gute Gründe. Die Paläontologen David Raup und John Sepkoski untersuchten damals die großen Massensterben in der Vergangenheit (z.B. die Zeit vor 65 Millionen Jahren als die Dinosaurier ausstarben). Dabei stellten sie fest, dass diese Massensterben anscheinend periodisch auftraten, in etwa alle 26 Millionen Jahre. Aber was könnte die Ursache so einer langen Periodizität sein, was könnte alle paar Millionen Jahre fast alles Leben auf der Erde auslöschen? Asteroideneinschläge! lautete die plausibelste Antwort - immerhin wissen wir ja, dass die Dinosaurier durch genau so einen Einschlag ausstarben. Aber es war schwierig, einen plausiblen Mechanismus zu finden, der alle 26 Millionen Jahre für häufigere Asteroideneinschläge sorgt. Der Astronom David Muller schlug Nemesis vor: den Begleitstern der Sonne, der ihr alle 26 Millionen nahe kommt. Zumindest so nahe, um die Bahn der Kometen in der weit entfernte Oortschen Wolke zu stören und sie auf einen Kollisionskurs mit der Erde zu schicken. Weitere Untersuchungen passten gut zur Nemesis-Hypothese. Zum Beispiel schien auch die Verteilung des Alters der Einschlagskrater auf der Erde der 26-Millionen-Jahre-Periode zu folgen.

Hier hat es vor 212 Millionen Jahren ordentlich gerummst: Der Manicouagan-Krater in Kanada (100 km), gesehen vom Space-Shuttle (Bild: NASA)

Genau das aber bestreitet nun Coryn Bailer-Jones vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. In seiner Arbeit mit dem Titel "Bayesian time series analysis of terrestrial impact cratering" hat er sich dem Problem mit einem neuen statistischen Ansatz genähert ("neu" in Bezug auf die Nemesis-Hypothese; die verwendete statistische Methode existierte schon länger). Es handelt sich dabei um die Bayessche Statistik. Christian hat die Grundlagen in seinem Blog schön zusammengefasst. Kurz gesagt geht es darum, dass man nicht mehr wie üblich eine bestimmte These mit der Nullhypothese vergleicht. Also in unserem Beispiel die These "Asteroidenkrater entstehen mit einer Periode von 26 Millionen Jahren" gegen die Nullhypothese "Asteroidenkrater entstehen völlig zufällig" testet. Wenn die beiden Möglichkeiten - Periode von 26 Millionen Jahre und völliger Zufall - tatsächlich die einzig möglichen Szenarien wären, dann wäre das ja in Ordnung. Aber das ist ja nicht so, es gibt viele verschiedene Alternativen. Die Periode könnte anders sein. Die Einschläge könnten weder zufällig noch periodisch sein sondern im Lauf der Zeit stetig zu- oder abnehmen. Oder es ist eine Mischung aus allem. Solange man nicht mehr über das Problem weiß, ist das alles gleich wahrscheinlich. Beim Bayesschen Ansatz vergleicht man nun alle möglichen Alternativen miteinander und schaut, wie sich die Wahrscheinlichkeit ändert, wenn man die Beobachtungsdaten mit einbezieht. Das kann im konkreten Fall natürlich ziemlich knifflig sein und wer mehr über die Details wissen will, der liest am besten den Artikel von Bailer-Jones; da ist das alles ausführlich erklärt.

Uns interessieren hier vor allem die Ergebnisse. Immerhin haben ja jede Menge wissenschaftliche Arbeiten der letzten Jahrzehnte (Bailer-Jones listet sie alle in seinem Artikel auf) Periodizitäten in der Altersverteilung der Krater gefunden. Haben die sich alle Unsinn geredet? Nicht unbedingt, mein Bailer-Jones - aber mit der Standardstatistik sei es einfach, dort Perioden zu sehen, wo eigentlich keine sind bzw. sei es schwierig, die Signifikanz gefundener Perioden einzuschätzen. Außerdem sind Kraterdaten schwierige Daten. Sie sind nicht komplett - wir haben ja mit Sicherheit nicht alle Krater gefunden die jemals auf der Erde geschlagen wurden. Sie lassen sich oft schlecht datieren und es ist schwierig, Fehlergrenzen anzugeben. Krater verschwinden durch die Erosion im Laufe der Zeit wieder und umso schneller, je kleiner sie sind. Das alles führt dazu, dass es schwierig ist, die richtigen Daten für seine Untersuchungen auszuwählen und es ist leicht, dabei bewusst oder unbewusst Fehler zu machen die am Ende genau zu den Ergebnissen führen die man gerne hätte. Bailer-Jones selbst hat für seine Untersuchung alle Krater der Earth Impact Database berücksichtigt, deren Alter bekannt war (und für das Fehlergrenzen angegeben wurden). Außerdem wurden nur Krater verwendet, die jünger als 250 Millionen Jahre waren und deren Durchmesser mehr als 5 Kilometer beträgt. Davon gibt es 59 Stück und wenn man ihren Durchmesser gegen ihr Alter aufträgt, dann sieht das so aus:

Bild: Bailer-Jones (2011)

Gibt es hier eine Periode? Schwer zu sagen. Auf den ersten Blick könnte man sagen: ja, das sieht schon irgendwie mehr nach Periode und weniger nach Zufall aus. Aber wir Menschen sind immer gut darin, irgendwo Muster zu erkennen, selbst wenn da gar keine sind. Klarheit kann nur eine objektive Statistik schaffen. Die Bayessche Statistik, meint Bailer-Jones und seine Ergebnisse sind überraschend.

Es gibt keine Periode in den Daten! Auch Bailer-Jones findet zwar ein paar mögliche Perioden - aber die stellen sich als nicht signifikant heraus. Die Hypothese das Krater periodisch entstehen ist nicht wahrscheinlicher als die Alternativmodelle. Es zeigt sich allerdings, dass die Zahl der Krater in den letzten 250 Millionen Jahren leicht ansteigt! Bevor jetzt hier Panik ausbricht: das muss nicht bedeuten, dass Asteroideneinschläge immer wahrscheinlicher werden. Viel wahrscheinlicher ist es, dass einfach weniger alte Krater bekannt sind - immerhin ist es umso schwieriger sie zu finden, je älter sie sind. Bailer-Jones hat sich auch die Daten aller Krater angesehen die größer als 35 km und jünger als 400 Millionen Jahre alt sind und hier keinen Anstieg gefunden.

Wo steht also jetzt die Nemesis-Hypothese? Natürlich kann es immer noch sein, dass die Sonne Teil eines Doppelsternsystems ist. Eben ein netterer Stern, der keine Kometen auf uns schmeißt ;) Aber mit Nemesis als Grund für die periodischen Massensterben sieht es momentan schlecht aus. Aber als komplett widerlegt würde ich die These trotzdem noch nicht betrachten. Statistik mit so wenig Daten ist immer schwierig, egal ob normale oder Bayessche Statistik. Und dann gibt es da ja auch noch die Periodizitäten in den fossilen Daten der Paläontologen. Sollten die real sein, dann braucht man immer noch eine Erklärung für die periodischen Massensterben. Ich denke, wir müssen noch ein paar Jahre warten, bis wir definitiv Bescheid wissen. Wenn erstmal der Vermessungssatellit Gaia in zwei Jahren ins All gestartet ist und den Himmel mit bisher noch nicht gekannter Genauigkeit vermessen hat, dann werden wir auch wissen, ob da draussen noch ein Stern ist, der zur Sonne gehört oder nicht. Und wir werden wissen, ob dieser Stern für periodische Kraterbildung sorgen kann oder nicht. Bis da alle Daten ausgewertet sind, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern. Aber so gegen 2020 sollten wir definitiv sagen können, ob Nemesis existiert oder wir sei... Read more »

C. A. L. Bailer-Jones. (2011) Bayesian time series analysis of terrestrial impact cratering. MNRAS. arXiv: 1105.4100v2

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